"Lebensfreude“ – trotz Hitze und Schwitzen
Es herrschten über 40 Grad an diesem 27. Juni ´26. Entgegen allen Erwartungen waren abends um 18.30 Uhr die 50 Stühle, die unser ökumenisches Team zum „Anderen Gottesdienst“ im kühlen Martinssaal aufgestellt hatten, besetzt.
Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Frauen und Männer aus verschiedensten Gemeinden waren gekommen und bewegt von den persönlichen Lebenserfahrungen, die ihnen mitgeteilt wurden. Unsere „Expertinnen der Lebensfreude“ waren Anastasia aus der Ukraine. Maren Potrek aus Schwaigern, die von ihrem jüngsten Kind, das mit Down-Syndrom geboren ist, erzählte. Und Uschi und Fritz Hartmann-Weissert aus Kleingartach, deren gemeinsames Leben durch den tragischen Unfalltod ihrer 13-jährigen Tochter Hanna geprägt wurde. Seit 27 Jahren, immer zum Todestag am 1. März können Zeitungsleser ihre Anzeige mit dem Foto der lebensfrohen, hübschen Hanna in der Heilbronner Stimme sehen. Sie lebt in vielen Herzen weiter.
„Unter jedem Dach ein Ach!“ mit diesem Spruch wies Katharina Barth-Duran in ihrer Predigt auch auf eigene Erfahrungen und eher Alltägliches hin, das unser Leben erschweren kann. Welch ein Trost können für uns die Worte Jesu sein, der im Gleichnis von Geburtswehen spricht: „Ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.“ (Johannesevangelium 16.20)
(Nicht zuletzt haben die Teilnehmenden 200.-€ für die Kindertagesstätte „Yomelela“ in Südafrika, ein Projekt des Arbeitskreises 1 Welt, Schwaigern, gespendet.)
Aufbrechen zum Licht!
Wie sollte das gehen, wenn dieser Samstag, der 14. Februar ´26, so ein trüber Tag mit grauem Himmel war?
Es geht, wenn so ein schönes Bildungshaus in Neckarelz für uns offensteht.
- Wenn 22 Frauen aus sieben verschiedenen Orten aufbrechen, um sich dort zu begegnen.
- Wenn bisher Fremde offen und vertrauensvoll sich über persönliche Lebenserfahrungen austauschen.
- Wenn sie sich erzählen, wie sich Dunkles und Schweres in ihrem Leben in Lichtblicke verwandelt hat.
- Wenn sie gemeinsam weinen, vor allem aber auch immer wieder lachen können.
- Wenn sie miteinander singen, tanzen, beten und gutes Essen genießen können.
Es war wie ein Wunder. Wir haben erfahren, dass hinter den Wolken die Sonne scheint!
Katharina Barth-Duran
(geistliche Begleitung)
19.02.2026
Der Andere Advent-Gottesdienst zum Advent 2025 - ein Rückblick
Der Song „Sag mir, wo die Blumen sind“ und die Worte eines Kindes „...und Frieden auf Erden!“ standen zu Beginn des besinnlichen Anderen Advent-Gottesdienstes.
Die Bänke der Martinskirche waren gut gefüllt mit Menschen aus verschiedenen Gemeinden und verschiedenen Orten. Auch eine Akkordeongruppe, Kinder, Jugendliche, Konfirmanden und Ministrantinnen, waren unter den mehr als 30 Mitwirkenden.
Die große Sehnsucht nach Frieden weltweit und in unserer allernächsten Umgebung, in unseren eigenen Familien, wurde nicht nur in einer sehr persönlichen Predigt von Katharina Barth-Duran deutlich. Auch die Lesung eines Bibelverses aus dem Buch Jesaja vom Friedensreich Gottes in verschiedenen Sprachen zeigte, wie universal die christliche Friedensbotschaft ist. Neben Spanisch und Italienisch kamen drei junge Menschen zu Wort, die nebeneinanderstanden und in russischer und ukrainischer Sprache ihrem Wunsch nach Frieden Ausdruck verliehen.
„Ja, zündet die lichter an!“ Denn der große Friede beginnt in jedem einzelnen von uns, in unserem Herzen. In der Martinskirche leuchteten an diesem, Abend zahlreiche Lichter, die von den Mitfeiernden entzündet wurden.
Hilfe für Gaza
Im Anderen Advent-Gottesdienst in der Martinskirche am 29.11.25 wurde für die notleidenden und bedrohten Menschen in Gaza gesammelt.
Es kamen bis heute 700.-€ zusammen!
Das Geld wird an „Caritas international“ überwiesen, die gute Kontakte und Mitarbeiter:innen im Gazastreifen haben. So kann die Spende zur humanitären Hilfe direkt den Menschen dort zukommen.
Allen, die großzügig gespendet haben, ein herzliches DANKE! (PS: Auch Spendenbescheinigungen können ausgestellt werden.)
29.11.2025
Überraschend war die große Resonanz auf die Lesung von Katharina Barth-Duran mit ihrem Buch „Die Hoffnung weitertragen“ in Massenbachhausen.
Fünfundvierzig Menschen hörten interessiert zu, lauschten der Flötengruppe und kamen anschließend bei Kerzenschein und Tee ins Gespräch.
Eine der Teilnehmerinnen schrieb anschließend ihr Dankeschön für diesen wohltuenden „Balsam-Abend“: „die schöne Musik, die warme Atmosphäre, die Begegnung mit vielen tollen Frauen und die persönlichen Gedanken und Worte aus dem Adventsbuch, die so direkt berühren und alle wichtigen Bereiche des Lebens benennen: die traurigen, die schönen, die entsetzlichen und die belustigenden.“
Schön, dass das neue Gemeindehaus so zu einem Ort der Begegnung werden konnte. Es war ein guter, besinnlicher Einstieg in die kommende Adventszeit!
26.11.2025
Klosterfahrt 2025 nach Freiburg - ein kurzer Rückblick
Es war noch dunkel als wir los fuhren, begleitet von spirituellen Impulsen durch Frau Barth Duran und der aufgehenden Sonne.
Sehr herzlich wurden wir bei unserer Ankunft von den Schwestern mit Kaffee und frisch gebackenem Laugengebäck begrüßt.
Schwester Edith, 86 Jahre alt, faszinierte uns alle mit ihrem immensen Wissen bei der Klosterführung über die Geschichte des Hauses. Sie gab uns einen Einblick in das spirituelle klösterliche Leben der Schwestern.
Bei blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein informierten wir uns auch über die zahlreichen Pflanzen und ihre Bedeutung im Kräuter und Bibelgarten
Nach einem köstlichen Mittagessen verabschiedeten wir uns von den so lebendigen und humorvollen Schwestern.
Weiter ging es in die Stadt. Das pulsierende Leben auf dem Münsterplatz war sehr beeindruckend nach der klösterlichen Ruhe.
Wir freuten uns, im Münster das schöne Glasfenster von Edith Stein zu sehen, sie hat auch eine Zeit im Kloster St.Lioba gelebt.
Nach einen kurzem Bummel durch die schöne Altstadt von Freiburg machten wir uns auf den Heimweg, begleitet wieder von spirituellen Impulsen von Katharina Barth Duran. Wir erlebten einen sehr schönen und erfüllten Tag .
Kleiner Rückblick zum Klostertag 2025
Wege ins Neue Jahr – Neckarelz 22/02/2025
An einem gewöhnlichen Werktag, mit Frauen verschiedenen Alters, aus verschiedenen Orten, die sich in diesem Kreis zum ersten Mal treffen,
können Wunder geschehen.
Es braucht nur ein weites Herz, hinhören und miteinander teile, was uns bewegt, und wonach wir uns sehnen.
Es braucht Offenheit einzutauchen in die eigene Seelenlandschaft und wahrzunehmen auf welchem Weg ich gerade bin.
Und schon sind sie da, die Blumenwiesen unserer Seele oder der Waldweg mit Wurzeln, auch Feldwege mit Stolpersteinen und Gegenwind.
Wir gehen Wege an fließendem Wasser oder Bergetappen mit einer Bank zum Ausruhen, ganz oben dem Himmel nahe, sogar eine Berghütte,
öffnet sich und lädt freundlich ein, lange Zeit dort zu verweilen. um eine Aussicht mit überwältigender Schönheit nie aus den Augen zu verlieren.
Wir gehen allein oder gemeinsam und es wird uns bewusst, wie reich und verschieden dieser gemeinsame Weg, auf dem wir unterwegs sind
Wir folgen den Spuren eines Größeren, der uns nie einsam gehen lässt, mit seiner Nähe alle Furcht nimmt und unsere Zweifel in Vertrauen wandelt.
Einer der von sich sagen konnte
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben * (Johannes 14,6)
Mittags
Gemeinsam über die Brücke gehen, zum Tempelhaus, um zu beten, viele Namen nennen und Kerzen entzünden für Menschen, die uns am Herzen liegen.
Verweilen bei der Gottesmutter mit dem Kind, eine Königin mit Krone auf dem Kopf, mitten unter uns, nicht abgehoben, verheißt sie uns mit ihrem weißen Taufkleid,
dass auch wir gerufen sind, Königin, Prophetin und Priesterin zu sein.
Wir sind Gesalbte, getröstet und bewahrt und beschenkt mit einem Leben, das niemals endet.
Uralte Psalmworte verheißen*
es ist ein guter Hirt, der mit uns geht und sehr achtsam darauf bedacht ist, dass uns nichts mangeln wird.
Wir spüren seine Gegenwart wie ein großes Geheimnis, das unsere Lebenskraft zurückbringt, unser Herz leicht werden lässt und unseren Raum flutet
mit Lachen und Licht. In dieser Gegenwart füllen sich viele Herzen mit Dankbarkeit und Freude, wir beginnen zu tanzen und zu singen
wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchtet euch nicht ( *zu Psalm 23)
katharina 02/2025
„Wende dein Gesicht der Sonne zu!“
Unter dieser Überschrift hatte das Andere-Gottesdienst-Team am Sonntag, 5. Mai, in die Martinskirche von Schwaigern eingeladen. Und wirklich, nach einem überwiegend bewölkten Tag fielen die Abendsonnenstrahlen durch die bunten Glasfenster auf die Kirchenbänke, die mit ca. 60 interessierten Frauen und Männern gut besetzt waren.
Nicht nur in der Predigt von Katharina Barth-Duran ging es vor allem auch darum, wie wir in dunklen, leidvollen Zeiten unseres Lebens die Sonne hinter und über den Wolken finden können. Eine Ostersonne, die uns wie Gottes Gegenwart immer begleiten will. So wie Franziskus es damals gegen Ende seines Lebens, blind und verlassen, in seinem wunderbaren Sonnengesang beschrieben hat.
In fünf bewegenden persönlichen Statements erzählten Simone, Mathilde, Teresa, Uli und Anja, was ihnen in belastenden, leidvollen Situationen bei Zukunftsangst, drohendem Krieg, erlebtem Ausländerhass, Kirchenaustritten, Klimawandel, Hass und Hetze wieder Mut und Zuversicht gegeben hat.
Immer war es auch das Gespräch und die Gemeinschaft mit den anderen in der Familie, unter Kolleginnen, in der KDFB-Gruppe oder im Austausch über den eigenen Glauben, die sie bestärkt haben. Diese Gemeinschaft konnten wir auch in unserem Anderen Gottesdienst im gemeinsamen Singen und Beten spüren. Nicht zuletzt, weil Jutta Thyret, Carmen Viada Angulo und Alexander Frank mit ihren schönen Stimmen alle verzaubert haben.
Beim Beisammensein und kleinem Imbiss wurde deutlich, wie gut dieser lichtvolle, ermutigende Gottesdienst allen getan hat. Der nächste Andere Gottesdienst ist für den 1.Dezember 2024 zu Beginn der Adventszeit geplant.
Katharina Barth-Duran
„Dem Himmel so nah“ ...
... fühlten sich 21 Frauen am 9. März bei einem gemeinsamen Tag mit Katharina Barth-Duran auf dem Michaelsberg/ Cleebronn. Nicht nur aus Schwaigern, sondern auch aus Massenbachhausen, Sulzfeld, Neuenbürg oder Bad Schönborn waren sie zusammengekommen. Die Sonne strahlte an einem blauen Himmel, die klare Aussicht von oben auf die ganze Umgebung war überwältigend. Mit viel Zeit und Abstand konnte jede auch auf ihr eigenes Leben schauen und auf das, was sie alltäglich bewegt. Für sich selbst, in Kleingruppen und in der großen Runde war es möglich sich zu der Frage auszutauschen: Wenn Gott sich dir zeigen würde – woran würdest du Gott erkennen?
Unsere starke Gemeinschaft war spürbar in der Offenheit und dem Vertrauen, mit dem wir uns begegnet sind. Auch in Liedern und unserem herzlichen Lachen, das immer wieder zu hören war. Die Impulse waren oft spontan und humorvoll, aber auch von unserem Glauben geprägt. Alle fühlten sich wohl und brachten sich ein.
Besonders das Mittags-Gebet in der alten, kleinen Michaelskirche mit einer tiefen Stille hat viele beeindruckt. Zum Abschluss wurde große Dankbarkeit deutlich, die in schönen Blüten und Steinen in die Mitte gelegt wurden. Wir waren nicht nur „dem Himmel so nah!“, meinte Teresa „Wir waren im Himmel!“
Katharina Barth-Duran
Nicht nur aus Schwaigern, sondern auch aus Massenbachhausen, Sulzfeld, Neuenbürg oder Bad Schönborn waren sie zusammengekommen. Die Sonne strahlte an einem blauen Himmel, die klare Aussicht von oben auf die ganze Umgebung war überwältigend. Mit viel Zeit und Abstand konnte jede auch auf ihr eigenes Leben schauen und auf das, was sie alltäglich bewegt. Für sich selbst, in Kleingruppen und in der großen Runde war es möglich sich zu der Frage auszutauschen: Wenn Gott sich dir zeigen würde – woran würdest du Gott erkennen?
Unsere starke Gemeinschaft war spürbar in der Offenheit und dem Vertrauen, mit dem wir uns begegnet sind. Auch in Liedern und unserem herzlichen Lachen, das immer wieder zu hören war. Die Impulse waren oft spontan und humorvoll, aber auch von unserem Glauben geprägt. Alle fühlten sich wohl und brachten sich ein.
Besonders das Mittags-Gebet in der alten, kleinen Michaelskirche mit einer tiefen Stille hat viele beeindruckt. Zum Abschluss wurde große Dankbarkeit deutlich, die in schönen Blüten und Steinen in die Mitte gelegt wurden. Wir waren nicht nur „dem Himmel so nah!“, meinte Teresa „Wir waren im Himmel!“
Katharina Barth-Duran
Auf den Spuren von Hildegard – Prophetin und „Posaune“ Gottes
Mit 43 Menschen aus den drei Gemeinden unserer Seelsorgeeinheit sind wir am 23. September zum Kloster St. Hildegard in Eibingen aufgebrochen. Es wurde ein Pilgerweg auf den Spuren dieser großen Heiligen und Kirchenlehrerin. Vieles an ihrem Leben hat uns tief beeindruckt.
Da ist zum einen die Tatsache, dass sie im 12.Jahrhundert im zarten Alter von acht Jahren als jüngstes der 10 Kinder der Grafenfamilie von Bermersheim zur Klausnerin Jutta auf den Disibodenberg geschickt wurde. So etwas war damals nicht unüblich. Hildegard wurde dadurch schon früh in das tägliche Beten und Singen, das Lesen der Heiligen Schriften in Latein und in die Ordensregel Benedikts eingeführt. Ganz selbstverständlich prägte es Hildegards Kindheit und Jugend und wurde zum Fundament für ihr Leben.
Schon als Kind war Hildegard hellseherisch veranlagt, was sich im Lauf der Jahre mehr und mehr ausprägte bis hin zu ihrer ersten großen Vision im Alter von 42 Jahren, von der sie selbst als einem einschneidenden Erlebnis schreibt: „Im Jahre 1141 der Menschwerdung des Sohnes Gottes, Jesu Christi, als ich 42 Jahre und sieben Monate alt war, kam ein feuriges Licht mit Blitzesleuchten von oben hernieder. Es durchströmte mein Hirn und durchglühte mir Herz und Brust gleich einer Flamme, die jedoch nicht brannte, sondern wärmte, wie die Sonne den Gegenstand, über den sie ihre Strahlen ergießt. Nun war mir plötzlich der Sinn der Schriften erschlossen, der Psalmen, des Evangeliums, der übrigen Bücher des Alten und Neuen Bundes.“
Natürlich ist das eine besondere Gabe und besonders faszinierend, wobei Hildegard Wert darauflegte, dass sie nie ekstatisch oder entrückt war, wie es andere Heilige berichten. Sehr klar, sei es bei Tag oder bei Nacht, sah sie dieses Licht, das sie mit geöffneten Augen aber nicht mit den menschlichen Sinnen die Dinge und die Welt sehen ließ.
Ja, es ist erstaunlich, dass diese Frau so eine Weitsicht besaß, dass wir 925 Jahre nach ihrem Tod bestürzt feststellen, wie sehr ihre Sicht bis hinein in unsere Zeit sich bewahrheitet. Hildegard betonte, wie unser Leben von der Grünkraft unseres Schöpfergottes ausgeht und wie tragisch es ist, wenn der Mensch seinen Ursprung in Gott und seinen Bezug zur Schöpfung verliert. Sie lässt schon damals im Mittelalter die Elemente klagen. Natur und Mensch werden krank. Glauben, das ist nicht nur intellektuelle Theologie, sondern geht immer durch all´ unsere Sinne, ist immer ganzheitlich. Es betrifft unseren Leib und unsere Gesundheit, die Pflanzen und die Tiere, alle Elemente und findet seinen Ausdruck in der Fürsorge für sich selbst, für die anderen und die ganze Welt, auch in der Schönheit von Kunst, Poesie, Gesang und Musik. All diesem konnte Hildegard in ihrem Leben Raum geben.
Noch ein anderer Wesenszug Hildegards kann uns auch heute noch beeindrucken:
In einer Zeit, in der Gleichberechtigung ein Fremdwort war und die Stellung der Frau immer an zweiter oder gar letzter Stelle kam, hat Hildegard Geschlechtergerechtigkeit und Gleichberechtigung mit großer Selbstverständlichkeit gelebt. In ihrer Verbindung zu Gott war sie so gefestigt, dass es ihr gar nicht in den Sinn kam, nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Sie fühlte sich ebenbürtig mit den Männern. Ja, sie hat Priestern und Bischöfen, auch Ordensleuten, die Leviten gelesen und sich sogar ihrem Urteil entgegengestellt, wenn es für sie nicht dem Willen Gottes entsprach. Hildegard war schon über sechzig, als sie ihre Klausur verließ, hinunter zum Rhein und auf Reisen ging nach Mainz, Seligenstadt, Würzburg und Bamberg, auch nach Köln oder ins Schwabenland.
In ihrem schwarzen Ordens-Habit stellte sie sich auf die Marktplätze der Städte und begann zu predigen. Laut und deutlich. Es waren Bußpredigten, in denen sie die Verderbtheit des Klerus anprangerte. Auch hierin sehen wir, wie die damalige Zeit der unseren glich. Es hätte keinen Sinn zu klagen, dass wir heute keine heilige Hildegard mehr haben, die uns zurechtweist und auf den Weg Jesu bringt, schreibt Walter Nigg in seiner Heiligengeschichte. Eine Frau sei damals als Retterin aufgetreten. Es seien die Frauen, meint Nigg, die auch heute wieder aufstehen und prophetisch wirken sollten.
Das muss er Schwester Philippa Rath aus Eibingen nicht mehr sagen. Sie war auf dem synodalen Weg im Arbeitskreis „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ aktiv. „Die Frauen sind die Zukunft der Kirche“, betont sie immer wieder deutlich und entschieden, auch in unserem Gesprächskreis nach dem Mittagessen im Kloster.
Aus Schwester Hiltrud Gutjahr sprudelt es ebenfalls nur so heraus. Über lange Jahre hat sie Pilger:innen begleitet. Sie zeigte uns die Klosterkirche und auch die Wallfahrtskirche etwas weiter unten im Tal, wo das ursprüngliche Kloster von Hildegard stand und heute der kostbare, goldene Hildegard-Schrein im Altarraum steht.
Sich nicht beirren lassen, auch nicht als Frau in einer äußerlich mächtigen Männer-Kirche. Der eigenen Berufung folgen. Göttliches in unserer oft verwirrten, friedlosen und unruhigen Zeit vermitteln. Das nehme ich mit von unserem Pilgerweg auf den Spuren der heiligen Hildegard.
Katharina Barth-Duran
09/2023
(Quelle: Walter Nigg „Eine außerordentliche Äbtissin“)
Fotos: Sabine Hahn
Der KDFB-Sommerabend „mit der Königin im Garten“
Zahlreich kamen interessierte Frauen am 28. Juni zusammen, katholische und evangelische, aus Schwaigern und darüber hinaus. Ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht.
Theologin Katharina Barth-Duran erzählte von der Entstehung ihres neuen Buches „Maria feiern 2.0“ und gab Impulse, die von der großen Frau damals direkt zu uns Frauen von heute führten.
Von Maria als Schwester im Glauben und als Frau an unserer Seite zu hören, ist eher ungewöhnlich. Marienfrömmigkeit hat den Touch des Altmodischen und Erzkonservativen.
Dabei wäre schon allein die Tatsache, dass eine Frau eine so herausragende Rolle in unserer Religion spielt, ein guter Grund, Marienspiritualität als etwas ausgesprochen „Progressives“ anzusehen. Keine der anderen großen Religionen kennt eine leibhaftige, menschliche Gottesmutter, keine kennt eine vergleichbare Verehrung einer Frau. (Maria feiern 2.0, S. 13)
Vieles bekam an diesem Abend seinen Raum. Die biblische Geschichte, aber auch religiöses Brauchtum, das sich um Maria rankt, wie etwa das Kräuterbuschen binden zum Fest Mariä Himmelfahrt im August.
Auch die revolutionäre Maria, die davon spricht, dass Gott die Niedrigen erhöht und die Mächtigen vom Thron stürzt und eine Meditation zu Maria aus Belarus oder das Einfordern von Geschlechtergerechtigkeit, nicht nur für Frauen in der Kirche.
Dazu kam der wunderschöne Gesang von Caroline Daul-Ernst, die ihre Lieblingslieder mitgebracht hatte, begleitet von Karola Dollmann am E-Piano. Begeistert sprachen manche gar von „Gänsehaut-Feeling“.
Leckeres Finger-Food und erfrischende Getränke rundeten das Angebot dieses Sommer-Abends ab, der in schöner Gemeinschaft zu einem Wellness-Abend für die Seele wurde.
Frauenfrühstück am 11. März 2023
Zu einem kleinen und feinen Frauenfrühstück hatten die KDFB-Frauen in den Martinssaal von Schwaigern eingeladen. Draußen war der Himmel blau und sonnig. Drinnen sprach Katharina Barth-Duran, Theologin und Seelsorgerin, zum Thema „Ostern entgegen“! Die Skulptur der Königin des Künstlers Ralph Knoblauch machte anschaulich, dass es trotz aller Lasten und Sorgen hilfreich sein kann, eine aufrechte Haltung mit einem Halblächeln einzunehmen.
Was hilft uns in Krisen, Krankheit und Sterben nicht zu verzweifeln? Was lässt uns die Hoffnung bewahren?
Mit bunten Tüchern in den Farben des Regenbogens zeigte die Referentin Möglichkeiten auf, die uns ganz persönlich weiterhelfen können. Anhand einer Messlatte konnten die Zuhörerinnen zu Beginn und am Ende überprüfen, ob diese Hinweise bei ihren ganz persönlichen Sorgen eine Hilfestellung waren. Sie kamen aus den verschiedensten Orten der Umgebung, auch aus der evangelischen Gemeinde. Sehr aufmerksam, angesprochen und bewegt waren sie an diesem Vormittag zu einer schönen Gemeinschaft geworden. Für die meisten sah die eigene Welt und das eigene Leben danach wieder heller aus.
Auch das Angebot von Waltraud Mayer mit dem Büchertisch und dem Buch „40 Tage mit meiner Königin – Aufstehen zum Leben!“ wurde gerne angenommen. Nicht zuletzt hat das leckere Frühstück, welches das KDFB-Team mit Sylvia Burkhard auftischte, allen geschmeckt und gestärkt.
Ja, es gibt Wege aus der Krise.
Immer wieder gehen wir diesen Weg durch Leiden und Sterben hin zur Auferstehung!
Schöne Erinnerungen an eine meditative Wanderung des KDFB am 4. Februar 2023 auf dem Heuchelberg
Tags zuvor grau und regnerisch, am Tag danach grau und regnerisch, und zwischen drin unser Pilgertag mit Sonnenschein und einem klaren Vollmond bei Einbruch der Dunkelheit. Sechzehn Frauen, auch jüngere, konnten nicht anders, als diese Tatsache wie ein Wunder zu bestaunen und den gemeinsamen Weg in frischer Luft zu genießen.Manchmal im Gespräch, manchmal in der Stille, im Wahrnehmen der Natur und den Zeichen am Weg. Weiches Moos, Eicheln, grüne Zweige und Wurzeln oder Vogelgezwitscher.Immer wieder einmal stehenbleiben, zusammenstehen im Kreis, zu Impulsen, die Katharina Barth-Duran einfügte. Die vielen Gedanken nicht länger kreisen lassen, die Sorgen ablegen und den Alltag mit seinen Lasten.
Wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte Dich nicht!
Immer wieder sangen wir diesen Kanon und tanzten ihn sogar mitten im Wald. Wir spürten unsere Gemeinschaft, auch in diesem großen Steinkreis zum Abschluss. Werte für ein menschliches Zusammenleben stehen dort in Stein gemeißelt. Und jede wählte persönlich aus, was für sie gerade wichtig ist: Dankbarkeit, Barmherzigkeit und Verantwortung, Freundschaft, Liebe, Gerechtigkeit und Frieden!
Kleine Lichter trugen wir dazu in den Händen wie in einer Lichterprozession und über uns am Nachthimmel ging der volle Mond auf und strahlte. Katharina Barth-Duran
Es gibt einen Weg,
den keiner geht,
wenn du ihn nicht gehst.
Wege entstehen,
indem wir sie gehen.
Die vielen zugewachsenen, wartenden Wege
von ungelebtem Leben überwuchert.
Es gibt einen Weg,
den keiner geht,
wenn Du ihn nicht gehst:
Es gibt Deinen Weg,
ein Weg, der entsteht,
wenn Du ihn gehst. Werner Sprenger










































