Ich doch nicht. Oder vielleicht doch?

Was bedeutet es eigentlich, weiß zu sein? Haben Sie sich diese Frage schon einmal gestellt?

Ich lange nicht. Ich habe helle Haut und bin anfällig für Sonnenbrand, ja. Aber was es für meine Identität bedeutet, dass ich weiß bin, darüber habe ich erst mit zwanzig angefangen nachzudenken, als ich in Chile lebte. Dort war ich nie nur ein junges Mädchen mit weißer Haut, sondern wurde gleichzeitig immer als jemand gesehen, die in einem reichen Stadtviertel wohnt, eine gute Ausbildung genossen hat, die wohlhabend ist.
Wir alle verknüpfen das Aussehen von Menschen mit bestimmten Charaktereigenschaften. Dessen muss sich jede*r von uns bewusst werden und sich fragen, welche Konsequenzen es hat, wenn man Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe kategorisiert – und oftmals auch wertet. Denn was bedeutet es eigentlich, nicht-weiß zu sein, hier in Deutschland?
Man wird zum Beispiel als Nicht-Weißer schon mal öfter gefragt, woher man kommt. Antwortet man dann z.B. aus Dechsendorf, ist das Gegenüber oftmals nicht zufrieden und hakt noch mal nach mit einem: Und woher wirklich, also ursprünglich? Am besten sollte der nicht-weiße Mensch dann gleich seine/ihre Familiengeschichte der letzten drei Generationen erzählen. Aber möchte er/sie das?
Rassismus braucht keine böse Absicht als Grundlage. Aber auch eine unbedarfte Handlung kann eine rassistische Wirkung haben.
Wenn man Rassismus immer nur als das Böse betrachtet, das nichts mit einem selbst zu tun hat, reflektiert man nie die eigenen Denkmuster. Genau das ist aber unsere Pflicht. Denn es ist nicht nur die Aufgabe von Menschen, die von Rassismus betroffen sind, sich damit zu beschäftigen. Es ist die Pflicht von uns allen.
Carina Harbeuther, Flüchtlingsbeauftragte des evang.-luth. Dekanats Erlangen & Studienleiterin bildung evangelisch in Europa e.V., In: Pfarrbriefservice.de
Anmerkung:
Wer mehr noch mehr über Alltagsrassismus erfahren möchte, kann sich unter folgenden Links umsehen:

www.instagram.com/p/CDiRT2bj6V8/


https://www.tupoka.de/ und https://www.tupoka.de/der-podcast/
oder lesen Sie das Buch von Alice Hasters: "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten"
Martina Muth, Sekretärin für die Seelsorgeeinheit